Lass das Öl im Boden und die Kohle in der Grube

Das, was heute am dringensten gebraucht wird, ist eine Bürgerbewegung die sich dafür einsetzt, dass wir die fossilen Energiequellen im Boden lassen, sagte Nnimmo Bassey auf der Youth Future Konferenz in Bonn. Der Nigerianer ist Träger des alternativen Nobelpreises und stellte sich den Fragen junger Umweltaktivisten.

Leave the Oil in the Soil

Anfang September in Bonn. Eine Woche lang haben über 120 junge Menschen aus ganz Europa auf der Youth Future Conference in Bonn gemeinsam mit Umweltpreisträgern und Referenten aus aller Welt in Workshops, Diskussionen und Vorträgen diskutiert und Projekte entwickelt. „Was ist aus Eurer Sicht die wichtigste Bewegung heute, was wird am dringensten gebraucht?“, fragte eine junge Teilnehmerin während der Podiumsdiskussion im Kunstmuseum. „Die Jugendbewegung„, antwortete der Prof. Dr. Anwar Fazal, Pionier des internationalen Verbraucherschutzes, der im Jahr 1982 den Alternativen Nobelpreis verliehen bekam. Er ist Mentor des Youth Future Projektes. „Leave the Oil in the Soil !“  antwortete der nigerianischen Dichter und Preisträger des Alternativen Nobelpreises Nnimmo Bassey auf die Frage. Das, was heute am dringensten gebraucht wird, meint er, ist eine Bürgerbewegung die sich dafür einsetzt, dass wir die fossilen Energiequellen im Boden lassen. Es sei an der Zeit, dass wir Menschen wieder bescheidener werden und zu dem werden, was wir eigentlich sind, Lebewesen und nicht die Herrscher der Erde.

Worum gehts eigentlich?

Öl oder Leben…

…titelte kürzlich die Zeitschrift Publik Forum in einem Bericht über den Yasuni Nationalpark, ein Regenwaldgebiet in Ecuador mit einer unschätzbar großen Artenvielfalt, dessen Fortbestand durch den Abbau von Ölvorkommen bedroht ist. Öl oder Über- Leben, ist nicht nur eine Frage für die Bewohner des Yasuni Nationalparks, sondern auch für uns.  Durch die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle, ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre angestiegegen wie seit Jahrtausenden nicht mehr. Am 9. Mai haben Wissenschaftler des renommierten Scripps Institution of Oceanography in San Diego erstmals 400 ppm (parts per million) CO2 in der Atmosphäre gemessen.Keeling Curve

Diesen CO2-Gehalt gab es schon einmal in Laufe der Erdgeschichte, allerdings vor 4,5 Millionen Jahren. Der Meeresspiegel lag damals 4 bis 40 Meter höher

Adieu Hamburg.

Jedes Barrel Öl und jede Tonne, Kohle und jeder Eimer Teersand, den wir aus dem Boden holen, sind eine schlechte Nachricht. Vielleicht weniger für die Spekulanten als für die Menschen, die in den betroffenen Regionen leben und sicher auch für unsere Kinder.

Nun kann man in Trübsal versinken oder sich darüber freuen, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die darüber berichten und etwas tun. Und wir als Bewohner eines der reichsten Länder der Erde können uns auch tatsächlich entscheiden, selbst etwas zu tun. Wir könnten zum Beispiel:

  1. Darüber reden, mit Freunden, Kollegen, Nachbarn, Politikern (die auch Nachbarn sein dürfen oder sogar Freunde). Nur wenn wir anfangen endlich gemeinsam darüber zu reden, was falsch läuft, haben wir auch die Chance gemeinsam, über Alternativen nachzudenken. Wer keine Lust hat zu reden, kann auch diesen Artikel verschicken, verlinken oder ausdrucken und an die Bürotür hängen, aufs Gästeklo oder an die nächste Zapfsäule.
  2. Jede/r kann sein Konto sofort bei einer Öko-Bank anlegen, um zu verhindern, dass sie/er mit dem Geld keine Umweltzerstörungen fördert.
  3. Natürlich konnen wir, die Städte, die Unternehmen und die Bürger sofort weniger Auto fahren, kleinere Autos oder gar keine. Um die verkehrsbedingten Emissionen um 40-50 % zu reduzieren, rechnete der Klimawissenschaftler Kevin Anderson kürzlich aus, braucht es nicht einmal neue Technologien, ein alter Audi A2 von 1998 reicht, der hatte nur einen CO2-Ausstoß von 75 g pro Kilometer. Der Durchschnitt liegt heute bei 175 g .
  4. Den größten Wirkungsgrad haben wir sicher, wenn wir dafür sorgen, dass weder private noch öffentliche Gelder den Abbau von fossilen Rohstoffen unterstützen. Dies ist auch Ansatzpunkt der Kampagnen Krötenwanderung oder Bankenwechsel. In Amerika startete der Umweltaktivist Bill Mac Kibben letztes Jahr, die Kampagne “Divestement”. Die Idee: Gelder der Städte, Universitäten, Kommunen werden abgezogen von Geldanlagen und Banken, die mit fossilen Rohstoffen Geschäfte machen. Divestement ist mittlerweile eine weltweite Bewegung. In Amerika haben sich schon 10 Städte dieser Kampagne angeschlossen, die erste deutsche Divestement Initiative gibt es in Münster.

Divestement war übrigens auch die entscheidende Strategie, die die Apartheid in Südafrika zu Fall brachte. Der südafrikanische Bischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu unterstützt die neue Divestment Kampagne. Um den Klimawandel zu bekämpfen, brauchen wir heute wieder wieder eine Solidarität in der ganzen Welt sagt Tutu: „Here in Africa, we see the dreadful suffering of people from worsening drought, from rising food prices, from floods, even though they’ve done nothing to cause the situation. Once again, we can join together as a world and put pressure where it counts.” (Quelle eesi ). Mittlerweile haben sich auch mehrere deutsche Städte zu Divestment bekannt, darunter Münster, und Berlin

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion las Nnimmo Bassey ein Gedicht vor. Eine wichtige Stimme Afrikas, die auch auf deutsch gelesen werden soll:

I will not dance to your beat – Ich werde nicht nach deinem Takt tanzen

Ich werde nicht nach deinem Takt tanzen,
wenn du behauptest Plantagen seien Wälder,
ich werde nicht mit dir singen,
wenn du mein Wasser privatisierst,

ich werde dich meine Fäuste spüren lassen,
wenn der Klimawandel Tod für mich bedeutet und ein gutes Geschäft für dich,
ich werde dich mit deiner teuflischen Gier bloß stellen,
wenn du das Öl nicht im Boden lässt,
die Kohle in der Grube und die Teersande in der Erde,
ich werde dich zur Rede stellen und dich anklagen,
wenn du weiter am Emissionshandel festhältst und anderen falschen, scheinheiligen Lösungen,
ich werde dafür sorgen, dass du rot siehst,
wenn du weiter davon redest, die Waldzerstörung zu begrenzen und gleichzeitig Menschen in den Wäldern von ihrem Land vertreibst,
ich werde dich vor den Klimagerichtshof schleppen,
wenn du ökologische Schulden auftürmst und dich weigerst die Rechnung zu bezahlen,
ich werde dafür sorgen, dass du deine eigene Arznei trinkst, wenn du gentechnisch veränderte Lebensmittel gut heißt,
und ich werde Staub in den Himmel schleudern, um die Sonne zu verhüllen.

Ich werde nicht nach deinem Takt tanzen,
es sei denn wir gehen den Weg der Nachhaltigkeit,
und arbeiten an echten Lösungen, die die Mutter Erde achten,

solange du dies nicht tust
werde ich nicht –
und werden wir nicht nach deiner Pfeife tanzen

Artikel und Übersetzung: Gesa Maschkowski

Die englische Fassung des Gedichtes und die Dokumentation der Veranstaltung findet sich hier

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