10 Euro pro Tonne CO2 oder wie Deutschland sich selbst betrügt – ein Kommentar

Nach Angaben des Umweltbundesamts verursacht eine Tonne CO2 Schäden im Wert von 180 Euro. Diese Schäden zahlt die Allgemeinheit. Also Menschen wie wir. Wenn Hersteller in Deutschland künftig  eine Tonne CO2 mit 10 Euro bezahlen müssen, dann heißt das: Wir legen weiterhin für jede Tonne CO2, die entsteht 170 Euro drauf. Hintenrum. Das ist nicht ökonomisch, das ist dumm, denn es zerstört unsere Lebensgrundlagen. Die Spielregeln, nach denen unser Wirtschaftssystem derzeit arbeitet, sind lebensgefährlich.
Ein Hersteller produziert ein Produkt, zum Beispiel ein Auto. Im Preis enthalten sind zum Beispiel Löhne, Rohstoffe, Produktionskosten, Werbekosten, Gewinne. Nicht im Preis enthalten sind Krankheitskosten durch Stickoxide, Feinstaub, klimabedingte Stürme, Überschwemmungen, Trockenheit, …Jede Tonne CO2 subventioniert die Allgemeinheit mit 170 Euro. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Autos, Lebensmittel oder Kleider handelt. Die Gewinne für die Hersteller, den Schaden für uns. Diese Schäden lassen sich immer besser berechnen. 

Dieses Spiel hat mehrere Folgen

  • Folge 1:  Wer Umweltkosten auf die Allgemeinheit abwälzt verschafft sich Wettbewerbsvorteile gegen über anderen, die das nicht tun. Denn das Produkt scheint billiger zu sein als es in Wahrheit ist. Wir kaufen daher immer mehr davon. So werden die Umweltschäden immer größer. Das ist ein Teufelkreis abwärts. Ökonomen sprechen von einem Marktversagen.
  • Folge 2: Wer Natur verheizt und Arbeitskraft einspart, wird im herrschenden System belohnt. Denn der Staat besteuert die Arbeitskraft, Natur gibts praktisch umsonst. Und umgekehrt: Wer sich darum kümmert Vielfalt zu erhalten oder Humus aufzubauen, wird im herrschenden Systen bestraft, denn das kostet Arbeitskraft. Dass es bei diesen Spielregeln überhaupt Bioprodukte gibt, ist ein Wunder.
  • Folge 3: Nachhaltiger Konsum ist eine Utopie, solange die Märkte überschwemmt werden mit Massenprodukten zu Billigpreisen. Denn praktisch haben wir keine Wahl. So ist nach wie vor der größte Teil aller Lebensmittel in Deutschland konventionell erzeugt, weit gereist, hochverarbeitet und verpackt. 

Umweltauflagen fördern grüne Technologien 

Es ist auch ein Märchen, dass wir Arbeitskräfte verlieren, wenn Umweltverbrauch teurer wird. Warum sollte sich ein Unternehmer bemühen CO2 zu sparen, wenn es ihn praktisch nichts kostet und seine Konkurrenten auch nicht? „Die strenge Regulierung ökologischer Angelegenheiten beschleunigen Innovation“ schreibt der Klimawissenschaftler Johan Rockström. Das beste Beispiel ist Schweden. Es gehört zu den Ländern mit den höchsten Umweltauflagen Europas. Das fördert die Innovationskraft und die Forschung. 

Wir treten unsere eigenen Grundrechte mit Füßen

Wir haben außerdem ein moralisches Problem.  Im 70. Jahr unseres Grundgesetzes müssen wir uns fragen: Was bedeutet eigentlich noch Artikel 14 :  „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen?“ Das bedeutet sicher nicht, dass wir für die Schäden von Unternehmen aufkommen. Oder, was bedeutet Artikel 20a GG: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung… ?“
Man könnte und muss vermutlich von einem Staatsversagen sprechen: Politik und Wirtschaft sollen dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Statt dessen stellen sie die Weichen so, dass unsere Lebensgrundlagen vernichtet werden. Solange  das vorherrschende System Regeln folgt, die unsere Lebensgrundlagen vernichten, können wir als Bürger*innen selbst mit größtem Engagement den Kollaps nicht verhinden. Dann müssen wir alles tun, um diese Spielregeln zu ändern. Sonst gibt es kein Morgen.
Gesa Maschkowski

Quellen + Links

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