Emissionsfreie Karawane: Ein Umzug in Bonn mit Fahrrädern

Maurice zieht von Vilich in die Bonner Nordstadt um – ohne Transporter oder Auto. Rund 20 Leute mit Lastenrädern und Fahrrädern mit Anhängern transportieren Schränke, Regale, Teppiche, Stühle, Tische oder eine Matratze als Umzugs-Critical Mass einmal über den Rhein und quer durch Bonn.

Die ersten Helfer schleppen bereits Umzugskartons aus dem Haus. Ein paar Schlafmützen brauchen an diesem Sonntagmorgen noch schnell einen Kaffee. Dann packen auch sie mit an. Rund 20 Leute sind gekommen, um Maurice beim Umzug von Vilich in die Bonner Nordstadt zu helfen.

Schränke, Regale, Teppiche, Stühle, Tische oder eine Matratze stehen zum Umzug bereit, werden nach und nach nach draußen getragen. Vor dem Haus steht allerdings kein Transporter bereit, sondern ein buntes Sammelsurium an Lastenrädern und Fahrrädern mit großen und kleinen Anhängern. Denn Maurice möchte aufs Auto verzichten bei seinem Umzug.

Zehn Lastenräder, Bolles und kleinere Hänger

Am Start sind natürlich Räder und Anhänger von den Bonn im Wandel-Lastenradprojekten »Velowerft« und »Bolle Bonn«. Auf das jüngst hinzugekommene elektrifizierte Lastenrad »BOBie« etwa passt locker ein Sofa mit Schrank obendrauf und einiges an Kleinkram unten drunter. Sebastian und Raphael haben sich vorher kurz mit Maurice beraten und zurren nun zufrieden Spanngurte zurecht, damit unterwegs auch nichts verloren geht.

Das Beladen der rund zehn Lastenräder, der Bolles und der kleineren Hänger geht außerordentlich schnell. Bei einem Fahrradumzug gibt es nämlich keinen Stau am Transporter, wo im Laderaum alles minutiös gepackt werden muss. Maurice verteilt die sperrigen Lasten anfangs auf die größeren Räder. »Kann das Überlängen laden?« fragt er Raphael, der gemeinsam mit ihm den Bolle-Anhänger inspiziert. Ansonsten beladen alle ihre Räder und Anhänger selbst, helfen und beraten sich beim Aufteilen der Kisten, Lampen, Leuchter und Topfpflanzen oder beim Festzurren.

Platter Reifen in einer Viertelstunde repariert

Nach anderthalb Stunden setzt sich der Fahrradtross als kleine Umzugs-Critical Mass in Richtung andere Rheinseite in Bewegung. Alles ist gut verpackt und verschnürt. Die ersten Meter mit leichter Steigung muss der eine oder die andere angeschoben werden, aber dann rollt der Umzug fröhlich in Richtung Sankt Augustiner Straße.

Dort aber zischt es am Ende der Kolonne verdächtig. Eines der Lastendreiräder hat einen Platten. Also angehalten. Aber Fahrradmechaniker Wendelin geht professionell zur Sache. Schnell einen Flicken in den ramponierten Reifen, und Flo hat einen passenden Ersatzschlauch dabei. Keine Viertelstunde später setzt sich der Fahrradumzug wieder in Bewegung.

PassantInnen fotografieren kunterbunt beladene Karawane

Auf der Kennedybrücke stauen sich zwar Autos hinter dem Tross, aber erstaunlicherweise hupt niemand. Auch Bertha-von-Suttner-Platz, Oxford oder Bornheimer Straße stellen für die Lastenradkolonne keinen Stress dar. Vielleicht auch weil Sonntag ist.

Am Straßenrand staunen stattdessen viele PassantInnen. Manche winken oder zücken schnell das Smartphone, um die kunterbunt beladenen Karawane zu fotografieren. An einer Bushaltstelle jubelt ein Pärchen der emissionsfreien Umzugsbande begeistert zu: »Super Aktion! Wahnsinn! Ihr seid großartig!«

Alles in einer Fuhre transportiert

In der Nordstadt geht das Abladen mit den vielen helfenden Händen ratzfatz. Maurice dirigiert Möbel, Kisten und Kühlschrank in die richtigen Zimmer und freut sich, wie gut und sicher das alles geht. »Ich hätte nicht gedacht, dass wir es in einer Fuhre schaffen«, lobt er alle und spendiert einen Kasten Bier und Radler – wie es sich für einen echten Fahrradumzug gehört.

Alles verladen: die emissionsfreie Karawane vor der Abfahrt
Alles verladen: die emissionsfreie Karawane vor der Abfahrt

 

 

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