Warum eigentlich SoLaWi? – Ein Interview mit Christiane Grinda, Mitgründerin der SoLaWi Bonn

Im Juni starten wir in Bonn in die 2. SoLaWi-Saison. Eva Klemmer hat Christiane Grinda interviewt, die sich letztes Jahr im Gründungs- und Kernteam engagiert hat und die auch unsere erstes SoLaWi-Lied gedichtet hat. „Wir brauchen einander“, sagt sie und erklärt im Interview warum…

Seit wann bist du bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) Bonn?

Ich bin in der SolaWi von Anfang an. Seit sie sich gegründet hat und ein bisschen davor, also seit 2012 im Sommer Juli/August.

Wie hast du die SoLaWi- Gruppe entdeckt?

Ich bin damals zu einem offenen Transition Treffen von „Bonn im Wandel“ gegangen, weil mich die Transition Town Bewegung interessiert hatte. Bei diesem Termin habe ich dann mitbekommen, es gibt die Gruppe „nachhaltige Nahrungsmittelversorgung“, das hat mich sehr interessiert. Daraufhin sind mein Partner und ich zu einem der Treffen der Nahrungsmittel-Gruppe gegangen und dann direkt in den Prozess eingestiegen.

Warum machst du bei SoLaWi mit und ziehst nicht einfach in eigener Sache auf dem Balkon oder im Garten Nutzpflanzen für dich selber?

Eine solidarische Landwirtschaft beinhaltet mehr als meine eigene Versorgung. SoLaWi bedeutet, dass ich mit anderen Menschen in Kontakt komme. Außerdem kenne ich den Bauern und nicht nur einen Lieferanten oder Verkäufer. Hinzu kommt, dass ich neben den Bauern auch die Hofgemeinschaft kenne. All die anderen Menschen, die da mit machen. Überhaupt macht es mehr Spaß, in einer Gruppe zu arbeiten: in der Gruppe Sachen anbauen, die Verteilung organisieren und gemeinsame Aktionen wie das Einkochen. Gerade dieser Gemeinschaftssinn, ist das, was für mich die SoLaWi ausmacht. Und ich lerne so auch die Menschen hier in meiner Region besser kennen.

Magst du das etwas genauer erklären?

Solidarität spielt ja auch im Umgang miteinander eine Rolle, es geht auch um Regeln und Umgangsformen. Für mich heißt, solidarisch zu sein, nicht nur auf meinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, sondern auch, auf die Menschen um mich herum zu achten. Dazu gehört es für mich auch, den Landwirt zu unterstützen. Wenn es ein Problem auf dem Hof gibt, dann helfe ich genauso mit, wie bei den andern Mitgliedern, wenn es z.B. Probleme in einem Depot gibt, oder irgendetwas anderes passiert.

Warum ist die Solidarität unter den Menschen so wichtig?

In dem System, in dem wir leben sind wir nicht so sehr auf die anderen Menschen angewiesen, meinen wir zumindest. Momentan könnte ich auch alle Lebensmittel im Supermarkt einkaufen oder vieles selber anbauen. Zur Versorgung bräuchte ich die anderen Menschen nicht. Aber das ist nicht das System, das ich mir als Ideal vorstelle oder das ich mir für die Zukunft wünsche. Ich will ein System, in dem die Menschen einander vertrauen und sich gegenseitig unterstützen. Ich meine jeder Mensch braucht andere Menschen, und wir brauchen einander ständig, auch wenn uns das nicht mehr bewusst ist in einem System, in dem so vieles technisiert ist und automatisch abläuft. Wir brauchen einander in jedem Fall und ich glaube, dass es gut ist, sich darauf vor zu bereiten, wieder solidarisch und in Netzwerken, in Gruppen mit andern Menschen zusammen zu arbeiten und zu leben. Erstens macht das viel mehr Freude und zweitens wird es in Zukunft immer wichtiger.

Was macht dir bei der SoLaWi am meisten Spaß?

Spaß macht es mir auf dem Feld und im Gemüsegarten zu arbeiten. Ich mag es auch, mehr über die Pflanzen zu erfahren und zwar direkt von netten Menschen. Es ist viel schöner, das Wissen nicht einfach im Lehrbuch nach zu schlagen, sondern jemand erklärt es dir, oder macht es dir vor und du machst es einfach nach. Und beim nächstem mal, wenn ich auf dem Feld bin, dann kommt jemand, der vielleicht zum ersten Mal da ist und ich kann mein Wissen weiter geben.

Und dann ist da noch der persönliche Bezug. Vom Anbau bis hin zu meinem Kochtopf weiß ich genau, wer dabei war und wer da hinter steckt und das macht mir eine große Freude. Eine andere Sache, die ganz viel gute Laune macht ist Einkochen mit andern Leuten zusammen, also Lebensmittel haltbar zu machen. Das war auch ein Aspekt, der mich zu SoLaWi gebracht hat. Mich stört die Nahrungsmittelverschwendung oder -vernichtung sehr.

Merkst du, dass sich dein Essverhalten verändert hat?

Ja, es hat sich geändert. Ich gestalte mein Essen jetzt viel mehr danach, was eben gerade da ist und was wir verbrauchen müssen. Gerade im Sommer ist die Zeit in der es viel Ernte und große Mengen gibt. Ein Ziel für mich ist noch, dass ich den Kauf von Süßigkeiten im Supermarkt reduziere oder am besten ganz darauf verzichte. Denn damit unterstütze ich kein solidarisches System sondern nur den Mainstream-Konsum. Ein paar Herausforderungen müssen ja auch noch bleiben.

Interview: Eva Klemmer

Im Juni/Juli 2014 starten wir in die 2. SoLaWi-Saison. Wir freuen uns auf viele Menschen, die auch Lust auf dieses spannende Projekt haben und mitmachen. Mehr Infos hier: https://bonnimwandel.de/nachhaltige-nahrungsmittelversorgung/

und in unserem Veranstaltungskalender

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