Die Ermekeilkaserne lebt auf

Internationaler Gast besucht den Ermekeilgarten

„Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Rückeroberung dieses Raumes!“, schloss Peter Newman seine „guten Nachrichten über Nachhaltigkeit“. Der Professor aus Perth, Australien, weilte für die internationale Konferenz „Resilient Cities“ in Bonn und ließ es sich nicht nehmen, am 31. Mai auf Einladung von Bonn im Wandel und der Ermekeil-Initiative den Gemeinschaftsgarten auf dem Gelände der Ermekeilkaserne mit eigenen Augen anzuschauen. Etwa 25 Zuhörer_innen verfolgten anschließend interessiert die Ausführungen Peter Newmans. Ein schönes Kontrastprogramm zum vorhergehenden 6. Bauworkshop.

Der Nachhaltigkeitsexperte zeigte vor allem gute Beispiele auf. „Wir sollten den Menschen Hoffnung machen und ihnen keine Angst einjagen“, kritisierte er auch ein wenig seine eigene Wissenschaftskaste. Viele glaubten, nur wenn man den Menschen die Folgen des Klimawandels möglichst drastisch darstelle, würden sie die Bedrohung verstehen und handeln. Aber meist ist das Gegenteil der Fall: Die Angst lähmt sie.

Doch auf der ganzen Welt gibt es Menschen und Initiativen, die zeigen, dass sie mit viel Spaß, Kreativität und Lust am Ausprobieren einen anderen Weg einschlagen wollen und können. Und alle Beispiel, die Peter Newman vorstellt, haben im Prinzip alle eines gemeinsam: Es kommt immer auf engagierte Menschen und die Gemeinschaft an. Er berichtet unter anderem vom bürgerschaftlichen Engagement in Christchurch, Neuseeland, das im Februar 2011 durch ein schlimmes Erdbeben stark zerstört wurde. Im Stadtteil Lyttleton, der am schlimmsten betroffen war, konnten innerhalb kürzester Zeit viele Menschen mobilisiert werden, weil es dort eine sogenannte „time bank“ gibt: Eine Art „Zeit- und Talente-Tauschbörse“, über die Menschen ihre Zeit für bestimmte Tätigkeiten anbieten können. Architekturstudent_innen wiederum kamen auf die Idee, die durch die Zerstörung entstandenen Baulücken zu nutzen: Sie füllen sie mit temporären Kunstinstallationen, Konzerten, Gärten oder anderen kreativen Gemeinschaftsprojekten.

Aber es stellt sich auch die Frage: Kommt das, was die vielen Initiativen auf lokaler Ebene machen, auch auf der politischen Ebene an? Ändert sich etwas im globalen Massstab? Auch hier ist Peter Newman optimistisch und stellt fest, dass verschiedene Scheitelpunkte überschritten seien: Die Investitionen in fossile Energien gehen zurück, der Stromverbrauch stagniert, die Nutzung von Autos nimmt ab, unser Wohlstand und der ökologische Fußabdruck entkoppeln sich. Und nicht zuletzt richteten Regierungen ihre Politik zunehmend auf Ressourceneffizienz aus. Alles in allem also ein durchaus hoffnungsfrohes Bild, mit dem der Besuch aus Australien sein Publikum zurück ließ.

Gemeinschaftliches Gärtnern

Eine dieser vielen hoffnungsfrohen Initiativen lässt sich auf auf dem Gelände der Ermekeilkaserne beobachten. Als erste sichtbare Wiederbelebung entsteht dort seit November 2013 ein Gemeinschaftsgarten mit inzwischen über hundert Aktiven Mitgärtner_innen. Es finden regelmäßige „Bauworkshops“ statt, bei denen Pflanzkisten oder auch Gartenmöbel gebaut werden, und der Garten ist an mehreren Tagen in der Woche für die Öffentlichkeit geöffnet.

Auch von staatlicher Seite wird das Interesse an Gemeinschaftsgärten größer. Der Internationaler Tag der Umwelt stand am 5. Juni diesen Jahres unter dem Motto: “Natur ganz nah – gut Leben in der Stadt”. Bundesministerin Hendricks in einer Pressemitteilung vom 4. Juni dazu: „Urbane Gärten verbessern das Stadtklima, sie sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, tragen zum Erhalt der Biodiversität bei und leisten einen Beitrag zur Grundwasserbildung. Sie sind aber auch Orte der Erholung und der Umweltbildung, sie können den nachbarschaftlichen Zusammenhalt und die Integration sozialer und kultureller Milieus fördern – kurz: das gute Leben in der Stadt.“ Wer möchte der Ministerin da widersprechen!

Die Rückeroberung der Ermekeilkaserne

Nicht nur der Vortrag mit Peter Newman, sondern auch andere Veranstaltungen ließen die Ermekeilkaserne in letzter Zeit aufleben. Unter anderem ein gemeinschaftliches Essen der Arbeitsgruppe „Co-Housing“, die in Zukunft auf dem Gelände gerne ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt verwirklichen würde. Ein absoluter Höhepunkt war aber das Frühlingsfest am 18. Mai, bei dem über den Tag verteilt an die 600 Gäste in den Garten strömten und in entspannter Atmosphäre friedlich und vergnügt feierten. So etwas hatte die Ermekeilkaserne sicher noch nicht erlebt: Lindy Hop tanzende Paare, die wohl erste Yoga-Stunde auf dem Gelände und ein Konzert mit drei lokalen Bands auf der eigens dafür bei einem der Bauworkshops gebauten Bühne. Mitmachen war auch das Motto des Festes, entsprechend konnten sich hungrige Besucher_innen an der Theke der so genannten „Schnibbel-Disko“ selbst Gemüse kleinschnibbeln, nach eigenem Gusto würzen und im Wok anbraten lassen. Wenig Stress für die Organisator_innen – großer Spaß für die mitkochenden Esser_innen.

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Und das ist nur der Anfang. Es gibt noch viele Ideen, die auf ihre Verwirklichung brennen: ein Repair Cafe, Kunstinstallationen, ein „Verleihladen“ oder gar ein temporäres Zentrum für Nichtregierungsorganisationen während internationaler Konferenzen in Bonn. Die Unternehmungslust ist angesichts des freistehenden Raumes schier grenzenlos. So ist eines ganz sicher: In den Dornröschenschlaf wird die Ermekeilkaserne bestimmt nicht mehr fallen.

Wer sich selbst ein Bild von der Rückeroberung des Raumes machen möchte, kann gerne zu den Öffnungszeiten des Ermekeilgartens vorbeischauen. Die Öffnungszeiten im Juni: Di-So, 14-20 Uhr.

Artikel von Daniela Baum


Weitere Infos:

Website der Ermekeil-Initiative

Website der Gartengruppe

Im Bild oben zu sehen: Anna Wissmann und Daniela Baum mit den australischen Besuchern Jan und Peter Newman sowie Peter Devereux.

Dieser Artikel erschien auch im Online-Magazin rhein:raum.

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Diesen Samstag von 10-14 Uhr gibt es daher eine Selbst-Ernteaktion.

Freut Euch auf ein paar aktive Stunden an der frischen Luft in geselliger Runde. Bringt Eure Grabgabeln oder Schaufeln, Eimer/Kiste, Handschuhe, warme Socken und (Gummi) Stiefel, Thermoskanne und alle Eure Freunde mit aufs Feld. Vielleicht bringt Ihr auch zusätzlich noch einen Glühwein oder Punsch für unsere netten Ansprechpartner Gabriele und Julian mit, die sich bereit erklärt haben jeweils zwei Stunden vor Ort zu sein. Treffpunkt ist auf dem Kartoffelacker neben unserem Wintergemüse.

Wegbeschreibung:

Mit dem Fahrrad fährt man vom Endenicher Ei Richtung Endenich und biegt in die 1. Straße  rechts „Auf den Hügel“. Von dort aus die 2. kleine Anwohner-Straße links „Am Bleichgraben“. Dieser Weg führt immer gerade aus über das Messdorfer Feld. Am Ende, kurz vor den Häusern liegt links der Kartoffel- und Gemüseacker.

Mit dem Auto parkt man am besten im Burgweg in Dransdorf oder schon vorher in der Meßdorfer Straße und geht dann zu Fuß den Burgweg entlang immer geradeaus am Gut Ostler vorbei bis auf das Feld. Der Kartoffelacker liegt ganz am Anfang auf der rechten Seite.