Der Amazonas brennt – wir müssen hinsehen! Ein Kommentar von Jonathan Schulze

Es brennt wieder im Amazonas. Wir sind also wir wieder an dem Punkt an dem wir letzten Sommer waren. Nur, dass die Brände dieses Jahr den Amazonas nun endgültig an den Kipppunkt bringen – jenen Punkt an dem sich der Amazonas-Regenwald laut Wissenschaftler in eine Savanne verwandelt, weil der hydrologische Kreislauf durchbrochen ist.

Laut WWF waren in ganz Südamerika von Januar bis Juli 2020 44% mehr Feuerbrände als letzten Sommer – dem schrecklichen Brand-Jahr. Im Gegensatz zu letztem Sommer scheint aber niemand davon Notiz zu nehmen. Aller reden nur über Corona, dabei ist das Vordringen des Menschen in intakte Ökosysteme eine der größten Gefahren für den Ausbruch von weiteren Pandemien. Darüber hinaus ist es unser Fleischkonsum, der die Regenwälder zerstört. Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht vollkommen unverständlich, warum dies letztes Jahr das große Sommerthema schlechthin war, und jetzt nur noch – wenn überhaupt – ein Nischenthema?!

Denn eines muss man sich klar machen: Wir sind dabei mit dem Amazonas unseren letzten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise zu verlieren. Nichtsdestotrotz schaut die Welt  tatenlos zu, wenn sie es überhaupt zur Kenntnis nimmt. Das ist ein unfassbarer Wahnsinn. Eine Welt ohne den kühlenden Effekt der Regenwälder und ohne ihre Fähigkeit als größte CO2 Speicher der Erde zu dienen ist für die menschliche Zivilisation lebensbedrohlich. Insbesondere vor dem Hintergrund unserer jetzigen bereits sehr kritischen Situation was den Zustand von Natur und Klima angeht. Dennoch ist die Zerstörung des Amazonas durch gesetzlose Banden und einen wahnsinnigen und völlig amoklaufenden brasilianischen Präsidenten Realität.

Mir fällt in der Geschichte der Menschheit kein Ereignis ein, welches für die Zukunft der Menschheit von vergleichbarer Tragweite ist bzw. war. Anders als in früheren Jahrzehnten, haben nun viele unserer Entscheidungen und Taten unumkehrbare Folgen. Wir sind die letzte Generation, die noch die Weichenstellung in eine bessere Zukunft stellen kann. Deshalb sollte die Zerstörung der Regenwälder in jeder Tageszeitung der Welt auf der Titelseite stehen!

Wir sind jetzt an dem Punkt an dem sich die Zukunft unseres Planeten entscheidet! Jeder von uns wird sich später im Rückblick fragen müssen, habe ich wirklich alles getan was ich konnte, um diese Katastrophe noch zu verhindern? Ich kann daher nur an Euch appellieren dieses Thema viel mehr zu pushen, als dies bisher der Fall war.

Zu den bisherigen Lösungen der europäischen Politik, gehört zum Beispiel der Ansatz das Mercosur-Handelsabkommen neu zu verhandeln sowie ein EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten. Dies ist zwar der richtige Weg, reicht aber leider nicht aus, und könnte womöglich zu spät kommen, bis es wirksam wird. Deshalb wäre kurzfristig ein Importstopp auf brasilianische Agrarimporte sinnvoller. Ironischerweise ist hier die Wirtschaft schon weiter als die Politik. So kündigten alle große britischen Supermarktketten und im Anschluss auch Rewe und Aldi Süd aus Deutschland an, keine Produkte aus Brasilien mehr zu kaufen, sollte Bolsonaro ein Gesetz verabschieden, welches durch illegale Rodungen entstandene Agrarflächen nachträglich legalisiert. Traurige Ausnahme sind leider Edeka und Aldi Nord, die sich an dieser Aktion nicht beteiligen wollen.

Jonathan Schulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Ruhr West. Er beobachtet in seiner Forschung aber auch privat seit Jahren die Entwicklung der globalen Regenwälder.

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