Bonnilion, den 03.08.2026.
Schüler:innen und Student:innen, die mit dem Fahrrad auf der Adenauer Allee fahren, um das Beethovengymnasium oder die Uni-Bibliothek zu besuchen, werden demnächst große Augen machen. Was kannst du uns jetzt schon verraten?
Wie alle Visionäre haben wir begriffen: Mobilitäts-Krisen sind nur dornige Chancen. Wir haben jetzt die Chance, die Fehlplanungen des letzten CDU- und der Grünen Oberbürgermeisterin zu korrigieren und Bonn wieder autofreundlich umzugestalten. Es wurde ja schon beschlossen, die Adenauerallee wieder vierspurig auszubauen. Leider bringt das kaum was für den Verkehrsfluss, weil der Verkehr am Koblenzer Tor ja einspurig gelenkt werden muss. Die Lösung ist denkbar einfach: Wir sprengen das Koblenzer Tor und können so endlich unseren Traum verwirklichen: Dem Autoverkehr den Vorrang zu geben, den er auch verdient.
Frage: Wow das klingt ja visionär. Geht das denn so einfach?
Wir müssen schnell sein, um die Bedenken der Universität und des Denkmalschutzes gar nicht groß in der Öffentlichkeit diskutieren zu lassen. Große Hoffnung ruhen hier auf Bürokratieabbau, dem Gesetz zur Beschleunigung des Infrastrukturausbaus und der Abschaffung des Freiheitsinformationsgesetzes.
Wenn erst Mal Fakten geschaffen wurden, merken die Autofahrenden schnell, wie großartig der Ausbau ist, daher erwarten wir keine Proteste. Außerdem werden wir diese Maßnahme weiter flankieren. Da ja nun die Schüler und Studenten mit dem Auto in die Adenauerallee kommen müssen, planen wir ein großes Parkhaus auf dem Gelände des Hofgartens. Damit erledigt sich dann auch endlich die Attraktivität für Drogendealer im Hofgarten. Win-Win.
Wie sieht der ultimative Plan für die Bonner Brücken aus?
Der Klimawandel hilft ja manchmal sogar. Jetzt, wo kaum noch Wasser im Rhein ist, sind nun unsere weitsichtigen Mitbürger mit SUVs im Vorteil, weil die ja gar keine Brücke mehr brauchen und direkt durch den Rhein fahren können. Für alle anderen lassen wir von der Bundeswehr Ponton Brücken bauen. Möglicherweise muss dann noch hier und da Zugang in die Innenstadt freigesprengt werden, aber für den Neubau der Nordbrücke müssen ja auch 123 Wohnung geräumt werden. Da ist es nur fair, wenn auch in der Innenstadt ein paar Wohnungen oder auch die Beethovenhalle gesprengt werden, damit die Autofahrer diese unerträgliche Situation nicht weiter erleiden müssen.
Nun verbreiten Verbrenner ja nicht nur Lärm und Treibhausgase. Ein großer Teil der Energie wird auch in Form von Abwärme frei. Außerdem schadet das Stehen im Stau der Gesundheit. Wie sorgt ihr dafür, dass die fossilen Autofahrer bei Laune bleiben, wie läuft das Community Building ?
Danke für die gute Frage. Vielleicht können wir hier einen Beteiligungsworkshop für alle Bonner Autofahrer organisieren, um deren Kreativität und Ideen zu sammeln. Gerade die SUV-Besitzer sind eine vernachlässigte Minderheit, nur 14 % der Bonner Haushalte besitzen einen. 35 % der Bonner Haushalte besitzt sogar gar kein Auto. Diese Zielgruppe könnten wir noch für uns gewinnen. Ich könnte mir auch eine Bonner SUV Dating App vorstellen. Mit exklusivem Zugang für alle Autofahrer und Autofahrerinnen mit SUVs über 2 Tonnen Gewicht.
Auch sollten wir endlich diese nervigen Umweltzonen abschaffen und durch Deutschlandzonen ersetzen. Heißt: Zugang nach Bonn hat nur noch, wer einen deutschen SUV fährt. Dann haben wir endlich Platz auf den Straßen. Prominente Vertreter vom Verband der deutschen Autoindustrie sowie große autofreundliche Stiftungen haben schon Interesse gezeigt, dieses innovative, weitsichtige und technologiefreundliche Pilotprojekt zu unterstützen.
Wir danken für die Einblicke!
Dieser Beitrag gehört zu einer Reihe von Artikeln gegen den bitteren Ernst:
- Zum Umbau des Bonner Bahnhof-Vorplatzes: Verfallsdatum für Investoren-Architektur
- Primark und Co: Ab ins Museum
- Bonner Glücksanzeiger: Critical Mass reloaded
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Und um endlich vorwärts zu kommen in Bonn, sollten wir alle öffentlichen Parks und Friedhöfe generell zu Bauland umwidmen (das Palais Schaumburg und der Park sollen ja schon aufgegeben werden, leider kein Witz), die Villa Carstanjen und sein denkmalgeschützter Park wäre ein höchstprofitables Baugrundstück in allerbester Rheinlage. Und statt sich um alte Bäume sorgen zu machen, sollte man diese lieber fällen und versilbern. Damit könnte man viele schöne Klimageräte kaufen für Krankenhäuser und Altenheime. Und um das Ganze dann mit unschlagbar günstigem Strom zu versorgen, könnte man einfach um Bonn herum putzige kleine Atommeiler aufstellen und sie mit bunten Blumen und Bäumen bemalen… – man braucht nur ein klein wenig Fantasie und schon geht’s ab wie Schmitz‘ Katze mit der Wirtschaft!