Was wir für die Energiewende brauchen – Das sagen Bonner Bürger

Was brauchen wir, damit Energiewende&Klimaschutz in Bonn so richtig in Schwung kommen? Das haben wir die Besucher des Films „Power to Change  – die Energierebellion“ gefragt. Wir haben sie eingeladen, ihre Meinung auf Puzzlestücke zu schreiben und unser Bonner Klimaschutzpuzzle zu füllen. Das sind die Antworten … „Was wir für die Energiewende brauchen – Das sagen Bonner Bürger“ weiterlesen

Niederkassel, Bonn, Lissabon, New York – Wie immer am letzten Freitag und weltweit: RadfahrerInnen starten zur "Critical Mass"

Die Idee ist einfach: Auto stehen lassen, andere Verkehrsmittel benutzen. Um von A nach B zu kommen, gibt es Alternativen zum Auto: Fahrrad fahren zum Beispiel. Hat den Vorteil, ohne Benzin, ohne Emissionen und ohne Lärm anzukommen. Bewegung, frische Luft und Spaß gibt es obendrein.

In Bonn, in Köln und in vielen Städten der Welt finden – meist am letzten Freitag im Monat – gemeinsame Radfahrten statt. Die RadfahrerInnen möchten darauf aufmerksam machen, dass sie ebenso wie motorisierte Fahrzeuge Teil des Straßenverkehrs sind. „Critical Mass“ (Kritische Masse) nennt sich diese Aktion. Sie hat nicht das Ziel, den Straßenverkehr zu blockieren, sie ist selber Teil des Straßenverkehrs. „Niederkassel, Bonn, Lissabon, New York – Wie immer am letzten Freitag und weltweit: RadfahrerInnen starten zur "Critical Mass"“ weiterlesen

28.10. Infoabend Transition Streets – Energiewende-Nachbarschaften

Wie kann man lästige Konsumlaster loswerden, etwas Gutes für unseren Planeten tun und gleichzeitig mit Nachbarn noch eine schöne Zeit verbringen? Ganz einfach, man startet eine Energiewende Nachbarschaft oder „Transition Street“, wie das Projekt in Großbritannien heißt.

Die Energiewendenachbarschaften wurden vom britischen Transition Netzwerk entwickelt. Das Prinzip ist einfach, man redet nicht mehr herum, man fängt mit der Transition zu Hause an: Eine Gruppe Nachbarn oder Freunde trifft sich 6-7 mal und arbeitet gemeinsam ein Handbuch durch, in dem verschiedene Optionen vorgestellt und nach Einsparungspotential bewertet werden. Jede Woche ein anderes Thema: Energie, Ernährung, Mobilität, … Bei der Umsetzung kann man sich gegenseitig unterstützen, miteinander und voneinander lernen und einfach Spaß haben. Die beteiligten Haushalte sparten über 600 Euro ein und 1,2 Tonnen CO2 im Jahr.

Die Unterlagen gibt bisher nur auf Englisch. Wir sehen uns am Montag das Konzept Transition Streets an und überlegen, ob und was wir in Bonn dafür tun wollen, damit  dieses Projekt auch in Deutschland anläuft.

Wir treffen uns am 28.10.2013 um 19:30 in der Stiftung Mitarbeit, Ellerstraße 67
Bitte meldet Euch an, damit wir ein bisschen planen können!
Wir freuen uns auf Euch!

http://www.doodle.com/rm2atn3rcsgurgbw

Wegbeschreibung zur Stiftung Mitarbeit
http://www.mitarbeit.de/wegbeschreibung.html

Einführungskapitel auf Englisch: Transition Streets 1.+Transition Streets-GETTING+STARTED

Der Bonner Bahnhofsvorplatz 2030 – eine Zukunftsgeschichte

18 Jahre ist es her, dass die Stadt Bonn eine umwälzende Entscheidung getroffen hat: Im Jahr 2012 stoppte die Stadt in letzter Minute das Bauvorhaben eines holländischen Investors am Bahnhofsvorplatz. An Stelle der ehemaligen Südüberbauung neben dem „Bonner Loch“ sollte ein neues Shopping Center entstehen. “Ein irrwitziger Plan”, kommentiert Marie Meyer, die sich damals in der Bürgerbewegung “Bonn im Wandel“ engagierte. „Vor dem Hintergrund immer teurerer fossiler Rohstoffe und einer völlig übersättigten Konsumgesellschaft war es einfach nur absurd, weiter Geld in neue Konsumtempel zu investieren.“

Café und selbstgepflückte Himbeeren

Wer heute aus dem Hauptbahnhof kommt, sieht Menschen vor Cafés sitzen, hört Stimmen, Kinderlachen und Brunnenplätschern. Hin und wieder rauscht ein Zug vorbei – ansonsten kein Verkehrslärm. Hier wurde erfolgreich das Konzept des Shared Space eingeführt. Alle Straßenschilder wurden abmontiert und ein gemeinsam genutzter Verkehrsraum gestaltet, in dem alle Fahrzeuge auf Rädern als Gäste unterwegs sind. Nur hin und wieder fahren vorsichtig im Schritt-Tempo Elektroautos, Straßenbahnen oder die modernen Bonner Erdgasbusse am Bahnhof vorbei. Für Fahrräder gibt es eine eigene, breite Spur. Auf dem Platz spielen Kinder zwischen Hochbeeten und auf Turngeräten. Aus den Pflanzkästen wuchert üppiges Grün; dazwischen leuchten kleine Tomaten, Erdbeeren und Himbeeren. Gurken- und Zucchinipflanzen schlängeln sich über den Holzrand der Kisten, stramm eingerahmt von Zwiebelgrün und Tagetes, die das Ungeziefer fernhalten.

Im Zuge einer konsequenten “Energiewende” und zur Verbesserung der Selbstversorgung hatte die Stadt damals beschlossen, kein Geld mehr in Blumen und Zierpflanzen zu investieren, sondern nach englischem Vorbild auf öffentlichen Flächen Gemüse, Obst und Kräuter zum Selbsternten anzupflanzen. “Unvergessbar essbar” hieß das Konzept, das sich damals von dem kleinen hessischen Städtchen Witzenhausen aus in ganz Deutschland ausbreitete. “Im Jahr 2012 gab die Stadt allein 76.000 Euro für die Blumenbepflanzung in der Rheinaue aus“, erinnert Marie Meyer.

Heute ist die Rheinaue ein Paradies für urbanes Gärtnern. Dort legten Fachleute für Permakultur und engagierte Bürger/innen unter anderem mehrere essbare Waldgärten an. Mehrjährige Pflanzengesellschaften liefern Erträge bei minimalem Aufwand an Energie und Arbeit. Die Stadt unterstützt die Projekte mit Setzlingen, Wasser und Kompostierungsanlagen, was sich als weitaus kostengünstiger herausgestellt hat, als die jährliche Blumenbepflanzung.

Auch das Müll- und Scherbenproblem am Rheinufer gehört der Vergangenheit an. Gemeinsam mit der psychologischen Fakultät der Universität starteten die Stadt und die Initiative „Bonn im Wandel“ vor 15 Jahren die Kampagne “Rheinufer für alle!” Sie hat dazu geführt, dass heute Feiern, Campen und Erholung am Rhein für alle Bürger/innen möglich ist – mit einem Bruchteil des früheren Müllaufkommens.

Gut leben und gemeinsam arbeiten in der Stadt

Zurück zum Bahnhof: Mit der Entscheidung, rund um den Bahnhofsvorplatz ein Bürger- und Wirtschaftszentrum für Sozialunternehmer/innen zu schaffen, hat die Stadt Bonn die Weichen für die Entstehung neuer Arbeitsplätze und die Entfaltung einer kreativen Ökonomie gestellt. Auch Räume, Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten für die vielen gemeinnützigen Initiativen und Vereine sind entstanden. Heute gibt es hier Gemeinschaftswerkstätten, Recyclingläden und kleine Lebensmittel-Geschäfte – unter anderem einen Laden für verpackungsfreie Lebensmittel mit Bistro und Café. Regionale Produzenten – darunter rund 50 Gemeinschaftsgärten, die in Bonner Randgebieten entstanden sind, und mehrere Höfe im Rhein-Sieg-Kreis – beliefern die Restaurants, Bäckereien und Metzgereien. Treffpunkt des Kreativ-Zentrums ist das Atrium, ein weitläufiger Innenhof, umgeben von prachtvoll begrünten Gebäudemauern, den vertikalen Gärten. Hier treffen sich Unternehmer/innen, interessierte Bürger/innen und politisch Aktive zum Ideenaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung. Sehr beliebt ist auch das Kinder- und Jugendhaus, das zahlreiche Betreuungs- und Freizeitaktivitäten anbietet. In einem Modellversuch entwickeln und realisieren Jugendliche und ältere Menschen die Angebote gemeinsam. Die Menschen zahlen hier mit ‚BoRheSi’s, der Regionalwährung für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis, die 2013 eingeführt wurde. Der Name war ursprünglich nur die Abkürzung für Bonn/Rhein-Sieg, er bekam jedoch im Laufe der Zeit zahlreiche neue Bedeutungen, etwa „Bonns Regionale Sicherheit“; eine Schülerband machte daraus den Rap „Boa ey! Regio macht Sinn!“

Anders mobil

Bonn hat in dieser Zeit auch Geschichte geschrieben mit seinem fortschrittlichen Konzept für Elektromobilität. Reisende, die in Bonn ankommen, haben heute je nach Fahrtziel mehrere Optionen: Neben dem öffentlichen Nahverkehr gibt es in der ganzen Region Bonn-Rhein-Sieg ein funktionierendes Verleihsystem für E-Bikes und E-Cars, so dass sich – je nach Reichweite und Bedarf – die unterschiedlichsten Strecken leicht bewältigen lassen, natürlich gespeist mit Bonner Ökostrom. Auch Fahrradrikschas sind unterwegs. Ein ausgeklügeltes Liefersystem von E-Lastenrädern bringt die regionalen Lebensmittel zu den Kunden. “Rückblickend wundere ich mich über die Diskussionen von damals”, erinnert sich Meyer, die auch am Energiewendeplan für die Stadt mitarbeitete. “In das neue Shopping Center wollte ein multinationaler Handelskonzern für Unterhaltungselektronik einziehen. Auch wenn es 2012 immer noch billige Geräte aus Fernost gab”, sagt sie, “ war es doch absehbar, dass diese Produkte bei steigenden Ölpreisen und wachsenden Elektroschrottgebirgen nicht zukunftsfähig sind, und schon gar nicht gerecht und fair. Es konnte uns nichts Besseres passieren, als damals das Ruder herumzureißen!“

Text: Gesa Maschkowski und Kathleen Battke mit Ideen der Initiativgruppe „Bonn im Wandel“, Redaktion: Daniela Baum

 

Informationen zum Bonner Bahnhofsvorplatz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhofsvorplatz_Bonn