Welche Geschichte will ich mit meinem Leben erzählen? Tagesworkshop Tiefenökologie 6. Mai

Von Christiane Kliemann. Bild: Leonard J Matthews

Nach unserem Themenabend zum Thema Tiefenökologie (Einführungsartikel hier), laden wir nun zu einem vertiefenden Tagesworkshop am Samstag, 6. Mai von 10 bis 18 Uhr ins Rudolf-Steiner-Haus, Thomas Mann-Straße 36, ein. Anmeldung unter: info@bonn-im-wandel.de, Unkostenbeitrag: 30-50 Euro nach Selbsteinschätzung

Dabei wird es vor allem darum gehen, unsere bewussten und unbewussten Reaktionen auf die momentane globale Situation mitsamt ihren Auswirkungen auf unser eigenes Leben und tägliches Umfeld zu erforschen. Tiefenökologie bietet einen Raum, diese Reaktionen und Gefühle zu benennen, zu spüren und die Erfahrung zu machen, dass wir daraus auch Kraft schöpfen können. So kann langsam ein neues Bewusstsein für das Ganze entstehen, das eine andere Perspektive auf unsere persönlichen Handlungsspielräume ermöglicht.

Eine von vielen Möglichkeiten, einen solchen Perspektivwechsel anzustoßen ist, immer wieder zu fragen, welche Geschichte ich denn mit meinem Leben erzählen will. Anders ausgedrückt: wie ich einmal gelebt haben will, wenn ich an meinem Lebensende auf mein Leben zurückblicke.

Geschichte meint hier nicht eine erfundene Erzählung, sondern die Art und Weise, wie wir Ereignisse, die wir erleben und beobachten, in einen größeren Sinnzusammenhang stellen. So gesehen, können wir zur Zeit drei Hauptstränge von Geschichten beobachten, die alle parallel ablaufen und gleichzeitig erzählt werden, je nach eingenommener Perspektive.

1.  Business as usual – weiter so wie bisher!

Diese Geschichte betont die annehmlichen Seiten des modernen Lebens und stellt nicht in Frage, dass es ewig so weitergehen kann. Fortschritt wird vor allem materiell gemessen und Werbung zum Beispiel vermittelt den Eindruck, dass alle Menschen Fernreisen, Computer, Autos usw. haben sollten. Diese Geschichte wird von vielen Politikern und Wirtschaftsvertretern erzählt und vermittelt die folgenden Grundannahmen:

  • Wirtschaftswachstum ist für Wohlstand unerlässlich
  • Die Natur ist ein Rohstofflieferant und darf für menschliche Zwecke ausgebeutet werden
  • Konsumförderung ist gut für die Wirtschaft
  • Hauptziel im Leben ist es, es weit zu bringen
  • Die Probleme andere Menschen, Nationen und Arten gehen uns nichts an

2. Fortschreitender Zerfallsprozess

Diese Geschichte betont die Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind und malt Katastrophenszenarien. Sie wird unter anderem von Wissenschaftlern erzählt und von Organisationen, die sich mit den sozialen und ökologischen Folgen unserer Zivilisation auseinandersetzen. Sie spricht vor allem von:

  • Wirtschaftlichem Niedergang
  • Ressourcenerschöpfung
  • Klimawandel
  • Sozialer Spaltung und Krieg
  • Massenaussterben von Arten

Diese beiden Geschichten widersprechen einander und entwerfen ein völlig unterschiedliches Bild vom Zustand unserer Welt. Weiter so wie bisher führt uns direkt in den fortschreitenden Zerfallsprozess. Dieser kann uns wie eine Horrorgeschichte vorkommen, die uns klein und ohnmächtig werden lässt. Es gibt allerdings noch eine dritte Geschichte, um die es in der Tiefenökologie vor allem geht:

3. Der große Wandel

Diese Geschichte wird von den vielen Gruppen und Initiativen erzählt, die sich hier und jetzt in den unterschiedlichsten Bereichen für eine neue sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Kultur einsetzen. Paul Hawken, Autor von „Wir sind der Wandel“ hat mehr als eine Million Organisationen weltweit ausgemacht, die sich für ökologische und soziale Belange einsetzen – und sie werden täglich mehr. Sie sind in ihrer Gesamtheit jedoch nur zu erkennen, wenn wir einen Schritt zurücktreten und den Fokus darauf richten, anstatt uns in den scheinbaren Einzelereignissen um uns herum zu verlieren.

Diese Geschichte macht Mut, vor allem, wenn wir uns vor Augen halten, dass viele kleine Veränderungen zusammenwirken können und auf diese Weise nicht vorhersehbare, bahnbrechende Veränderungen einleiten können. Ein Beispiel aus jüngster Geschichte sind die Ereignisse, die zum Fall der Berliner Mauer geführt haben.

Was ist meine Geschichte?

Welcher Geschichte fühle ich persönlich mich am meisten zugehörig? Handele ich immer entsprechend, oder folge ich verschiedenen Geschichten, je nach Situation, in der ich mich gerade befinde? Sind mir diese Entscheidungen überhaupt bewusst? Was kann ich tun, um mich mehr der Geschichte des großen Wandels anzuschließen?

Tiefenökologie möchte Mut machen, Teil dieser Geschichte zu werden. Auf der Basis von ganzheitlicher Wissenschaft, Psychologie und spirituellen Traditionen öffnet sie neue Erfahrungsräume, die erlebbar machen, dass alles miteinander verbunden ist. Wie die Erfahrungen mit dieser Arbeit zeigen, kann aus einer solchen Verbundenheit ein neues Gefühl von Selbstwirksamkeit entstehen, das Hoffnung und Lebensfreude gibt und zu mutigem Handeln inspiriert.

Referenten: Christiane Kliemann und Janosch Sbeih

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