SoLaWi in Sicht: Nachhaltige Lebensmittelversorgung in Bonn

“Es ist ein gutes Zeichen für unsere Stadt, dass wir unsere Lebensmittelerzeugung wieder ein Stück weit selbst in die Hand nehmen”, sagte Landwirt Martin Baumgart beim SoLaWi -Treffen am 19.02. in der Scheune von Gut Ostler. Über 50 Menschen haben sich an dem Abend zu Punsch, Suppe und Mitbringbuffet getroffen. Sie werden gemeinsam mit dem Betrieb in Kürze die erste solidarische Landwirtschaft in Bonn gründen (kurz SoLaWi) und damit in Bonn ein Stück neue, genussvolle Ernährungskultur schaffen. Heute geht es ums Kennenlernen, aber auch um Selbstorganisation: An kleinen Arbeitstischen wird diskutiert. “Wie organisieren wir die Verteilung der Produkte?”, “Wer hat Lust, bei einer Einmach- und Rezeptegruppe mitzumachen?”, “Was ist auf dem Hof zu tun?”

Seit mehreren Monaten arbeiten die Initiatoren daran, die Solidarische Landwirtschaft zu etablieren. Sie haben sich vergangenen Februar bei einem Open Space Event von Bonn-im-Wandel kennengelernt. “Wir wollen gesunde Lebensmittel aus ökologischem Landbau stadtnah erzeugen und umweltfreundlich verteilen”, heißt es in dem Selbstverständis. Die Worte Gemeinschaft, Solidarität und Vertrauen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Konzept. “Meine Motivation ist die tolle Gruppe”, sagt Hilke Gieseke, die zu den Initiator/innen gehört. “Sie gibt mir Kraft, etwas Neues, Schönes zu schaffen.”

Das Prinzip SoLaWi

Das Konzept SoLaWi setzt einen Kontrapunkt zur industriellen Lebensmittelproduktion, die jedes Jahr tausende von Bauern zwingt, ihre Betriebe aufzugeben. Solidarische Landwirtschaft ist ein Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft, zur Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit, der Artenvielfalt und der Arbeitsplätze auf dem Land. Die Solidarität hat viele Seiten: Landwirt und Verbraucher teilen sich die Kosten, die Verantwortung und die Ernte. Das bedeutet, die Gemeinschaft übernimmt freiwillig für ein Jahr alle Betriebskosten, organisiert die Verteilung auf städtische Depots und hilft mit bei Arbeitsspitzen. Dafür gibt es frische, gesunde, lokale und ökologische Lebensmittel, mehr Kontakt zu Land und (Land-)Wirt, Wertschätzung der Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen und mehr Gemeinschaft.

Die Frage ist: Was ist es mir wert?

Auch beim Bezahlen gilt das Prinzip Solidarität. “Jeder zahlt, was es ihm wert ist oder was er sich leisten kann”, sagt Wolfgan Stränz, Referent des Abends und langjähriger Schatzmeister des Buschberghofes. Der Buschberghof betreibt die älteste SoLaWi in Deutschland und wurde vor über 25 Jahren gegründet. Mittlerweile gibt es mehr als 30 SoLaWis in Deutschland, Tendenz steigend. “Beim Bezahlen muss man eben Phantasie entwickeln”, meint Stränz, “und für die Phantasielosen gibt es einen Richtwert pro Person”. Der Richtwert liegt je nach Angebotsvielfalt zwischen 60 Euro pro Monat bei einer reinen Gemüseversorgung bis zu 180 Euro monatlich für die Vollversorgung mit Gemüse, Obst, Brot, Milchprodukten und Fleisch bei großen Betrieben. Die Angebotspalette von Hofgut Ostler besteht aus Gemüse, Salaten, Kräutern, Kartoffeln, Fleisch, Honig und Getreide. Im Gespräch ist auch die Kooperation mit einem Biomilchbetrieb und einer Bäckerei. Für den Landwirt ist das Modell SoLaWi eine große Chance, um aus der Rationalisierungsfalle herauszukommen, denn auch Biobetriebe müssen heute immer günstiger und immer mehr produzieren, um überleben zu können. “Die Frage ist nicht, was kostet das, sondern was ist es mir wert”, sagt Stränz.“Wir haben auf unserem Hof 30 Kühe, 100 Hühner und 50 Gemüsesorten. Das ist alles nicht rentabel, aber erfolgreich und das schon seit über 25 Jahren”.

Kreative Mitgestaltung

Die Organisatoren waren sehr zufrieden mit der Veranstaltung. “Dieser Abend war die erste Gemeinschafts-Solidaritäts-Aktion”, sagt Christiane Grinda, die sich für die Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe engagiert. “Ich möchte mich ganz herzlich für all die Unterstützung und Mithilfe bedanken – ein besonders großer Dank geht an die fleißigen Spüler und an Regine und Stefan, die das Catering geschmissen haben. Ein weiterer Dank für all die leckeren Buffetspenden – die Einmach- und Kochgruppe scheint Gourmet-Potential zu haben.” Auf der Ideen- und Aktionsliste stehen jetzt die gemeinsame Herstellung von Sauerkraut, Marmeladen und Likören, Backwaren und Bierbrauen.

“Bei der AG ´Interne Kommunikation/Gemeinschaftsbildung´ wurde rasch deutlich, dass es das Bedürfnis nach viel realem Austausch miteinander gibt und die digitale Kommunikation – so nützlich sie sein kann – so gering wie möglich gehalten werden soll”, berichtet Sarah Scholz, die diesen Gruppentisch organisiert hat. So gab es die Idee, einen Newsletter vom Hof mit Rezeptideen und sonstigen Infos ausgedruckt mit der Ernte zu verteilen und nicht digital zu verschicken. Es wurde vorgeschlagen, jahreszeitliche Feste zu feiern, sich auf dem Hof zu treffen und schweißtreibende Arbeitseinsätze mit genussvollem Feiern zu verbinden.

Auch beim Thema Depots und Verteilung der Ernte ist vieles noch im Fluss. Die Gruppe rund um Guido Lüchters setzt darauf, dass die SoLaWi-Interessenten, die in der ganzen Stadt verteilt sind die Abholung und Verteilung selbstständig organisieren. Auch die Namensfindung ist noch in vollem Gange: Die Vorschläge reichen von Meßdorfer Gartenzwerge über “SoLaWiBo macht Bonner froh”, bis hin zum rheinischen “Kesselknall”.

Der Arbeitstisch rund um die Kerngruppe hat diskutiert, inwieweit sich die SoLaWi-Bonn noch besser vernetzen kann mit Stadt und anderen Landwirten. “Die persönliche Motivation und gegenseitiges Vertrauen ist das größte Potenzial, das wir haben!“, stellten die Teilnehmer fest.

Bis April wird es noch für eine begrenzte Anzahl Personen, die Möglichkeit geben bei der SoLaWi in Bonn mitzumachen, Herzlich Willkommen!.

Weitere Informationen:

  • Das Selbstverständnis erklärt Ziele und Arbeitsweise: Selbstverständnis -Solawi-Bonn 09.03.13
  • Wer ernsthaft daran interessiert ist, Mitglied bei der SoLaWi Bonn zu werden, kann sich hier in die Anmeldungsliste eintragen. 

    Der monatliche Beitrag pro Einheit beträgt 110,- Euro +/- . Damit unterstützen die Mitglieder eine hochwertige, biologisch-dynamische Lebensmittelerzeugung hier in Bonn und den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft. Sie erhalten ausschließlich Produkte aus eigener Produktion: Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Salat, Kräuter, Äpfel, Eier, Honig, ab und zu auch Fleisch. Die Menge reicht ungefähr für eine erwachsenen Person.

  • Am Samstag, den 06.04.13 findet um 11:00 Uhr auf Gut Ostler ein zweites Gründungstreffen statt, für alle Mitglieder, die sich jetzt im März noch neu in unsere Anmeldungsliste eingetragen haben. Falls Ihr nicht selber teilnehmen könnt, müsst Ihr Euch durch jemande/n vertreten lassen, ansonsten können wir die solidarische Bieterrunde nicht durchführen. Bitte tragt Euch unter dem folgendenden Link im Doodle ein, ob Ihr an dem Gründungstreffen teilnehmt, oder durch eine andere Person vertreten werdet.

https://dudle.inf.tu-dresden.de/m6rzf51j/

  • Im Anschluss an das zweite Gründungstreffen könnt Ihr ab 14:00 die anderen SoLaWi Mitglieder und den Hof besser kennenlernen. Martin Baumgart wird uns über Gut Ostler und die Anbaufläche auf dem Meßdorfer Feld führen.die mitmachen möchten, sich angemeldet haben, sind herzlich eingeladen zur Startveranstaltung am Samstag, den 6.4. auf Gut Ostler mit Hofführung.

Kontakt: solawi@bonn-im-wandel.de

Text: Gesa Maschkowski, mit Unterstützung und Beiträgen von Gabriele Danne, Sarah Scholz, Christiane Grinda, Hilke Gieseke

 

 

 

 

 

 

SoLawi – Seid Ihr dabei?

Die Gruppe „Nachhaltige Lebensmittelversorgung“ von Bonn im Wandel war sehr aktiv in den vergangenen Wochen. Jetzt steht die Gründung der ersten solidarischen Landwirtschaft in Bonn auf Gut Ostler kurz bevor. Das SoLawi Jahr wird am 1. April 2013 starten. Wer in diesem Jahr ernsthaft daran interessiert mitzumachen, ist herzlich eingeladen, sich jetzt zu beteiligen und anzumelden. „SoLawi – Seid Ihr dabei?“ weiterlesen

Solidarische Landwirtschaft in Bonn – es geht los!

Wer wieder wissen möchte, wo seine Lebensmittel herkommen und wer sie anbaut, wer Lust hat auf ökologische, regionale, saisonale, frische Lebensmittel aus Bonn und wer dafür Gleichgesinnte sucht, wem die Erhaltung unserer Böden, unserer Nutztier- und Nutzpflanzenvielfalt wichtiger ist als hoher Ertrag, ist hier richtig aufgehoben.

Worum geht’s:
Solidarische Landwirtschaft ist eine geniale Erfindung: Verbraucher und Landwirte tun sich zusammen und bilden für ein Jahr eine Wirtschaftsgemeinschaft. Die Verbraucher übernehmen die Betriebskosten und erhalten im Gegenzug frische, gesunde, lokale und ökologische Lebensmittel. Der Landwirt hat Planungssicherheit und begeisterte Abnehmer für seine Produkte. 29 „SoLawi´s“ gibt es mittlerweile in Deutschland, in Japan sind es gut 40 % aller Betriebe.

Seit mehreren Monaten arbeiten wir nun, gemeinsam mit Dr. Martin Baumgart von Gut Ostler, daran dieses Modell auch  in Bonn einzuführen. Im April möchten wir starten.
An unserem Info-Abend im November haben wir erklärt

–    was solidarische Landwirtschaft ist,
–    wie das in Bonn aussehen kann,
–    wie der Stand der Planungen ist,
–    und wie man mitmachen kann.

Wir freuen uns auf jede(n) MitmacherIn

Hilke Gieseke und die Gruppe Nachhaltige Lebensmittelversorgung
Gesa Maschkowski für die Transition Initiative „Bonn im Wandel“
Dr. Martin Baumgart, Gut Ostler

 

PS: Wer nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, aber gerne Informationen über die SoLawi in Bonn bekommen möchte, kann sich in unsere SoLawi Mailingliste eintragen. Das geht ganz einfach:

Einfach auf dieser Seite anmelden:
http://www.webtecc.com/mailman/listinfo/solawi

Falls der Link nicht funktioniert, bitte in die Befehlszeile des Browsers kopieren, dann geht´s.

Als Antwort auf die Registrierung wird an die eingetragene Mail-Adresse eine Bestätigungs-Email verschickt. Bitte den Instruktionen in der Mail folgen und auf den entsprechenden Link klicken, dann ist die Anmeldung vollständig.

Oder an solawi@bonn-im-wandel.de schreiben.

 

 

 

 

 

Gemeinschaftsgarten Vilich-Müldorf fängt an zu blühen

Am Rande von Bonn beginnt Transition auch schon: Auf einer städtischen Brachfläche bauen die ersten 15 begeisterten Gemeinschaftsgärtner Hochbeete, die in mehrfacher Hinsicht nahrhaft sein werden: Der Garten soll das alte Dorf mit dem großen Neubaugebiet verbinden, einen Ort des Kennenlernens werden und dabei frische, ökologisch angebaute Lebensmittel liefern.

Vorfreude auf gemeinschaftliches Gärtnern

Am Sonntag, 24. Juni, ist von 16 bis 18 Uhr die nächste Gelegenheit, den sowieso immer offenen Garten zu besuchen, sich das Konzept erläutern zu lassen, eine Beetpatenschaft zu übernehmen – und vielleicht eine erste Erdbeere zu ergattern…