Eine Woche ohne Geld – wie wars? – Positive Erfahrungen und Überraschungen

Von Sophia Aengenendt

Vom 06.10. bis zum 11.10.2014 fand das Projekt des BUND Jugend ,,Ohne Geld durch die Welt‘‘ in Bonn statt. Die 11 Teilnehmer versuchten in dieser Woche durch Tausch von Arbeitskraft und oder Tauschobjekten andere Waren für das Gruppenessen zu sammeln. Dabei durfte kein Geld angenommen oder verwendet werden. Dazu habe ich zwei der Teilnehmerinnen Pia, die zum 1. Mal dabei war und Carina, die unter anderem schon fünf Monate fast ohne Geld auch wirklich lebt, befragt.

Warum habt ihr diesen Workshop mitgemacht?

Pia: Meiner Meinung nach spielt Konsum eine zu starke Rolle in unserem Leben und ich wollte mal wissen, wie es so ohne Geld ist. Außerdem fand ich es spannend neue Menschen und ihre Geschichte kennenzulernen. Ich wollte etwas Anderes und Neues erleben und dabei neue Erfahrungen sammeln.

Carina:  Da ich schon fünf Monate fast ohne Geld auch wirklich lebe, war es für mich nichts Neues. Es ist richtig für mich so zu leben und es war auch sehr entspannend, wenn wir alle gemeinsam tauschen waren. Ich fand es allgemein sehr schön die Entwicklung der Gruppe zu beobachten und meine Erfahrungen weitergeben zu können.

Carina lebt seit fünf Monaten fast ohne Geld

Pia, wie hast du dich am Anfang gefühlt? 

Pia: Ich war ziemlich aufgeregt und gespannt darauf, die anderen Leute kennenzulernen. Angst hatte ich davor, dass ich eine Woche nichts zu essen bekommen würde und dass das alles nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Pia wollte mal ausprobieren, wie es sich ohne Geld so lebt Foto: Privat
Pia wollte mal ausprobieren, wie es sich ohne Geld so lebt Foto: Privat

Carina, du bist ja schon erfahrener, wie war es für dich? War es so, dass du genau wusstest, was du machen musst oder ist es immer wieder ein neues Gefühl?

Carina:  Es war viel einfacher als erwartet, denn wir haben uns alle gegenseitig unterstützt. Insgesamt war es sehr aufregend, denn ich war wieder mal nach längerer Zeit ,,containern‘‘. Es ist eigentlich ziemlich alltäglich und dadurch auch kein neues Gefühl.

Wie war/ist das Leben ohne Geld?

Pia: Es war gut! Und so überraschend, weil wir so viel Essen bekommen haben und auch echt alle satt geworden sind. Es war aber auch anstrengend, weil man wirklich den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen ist, um irgendwie und Irgendetwas zu tauschen bzw. zu ergattern. Doch es war auch unglaublich schön, die fremden Menschen kennenzulernen, die sich für uns interessiert haben und so offen waren. Vor allem war es aber auch eine Herausforderung, immer wieder neue Menschen anzusprechen und zu fragen. Wir waren zum Beispiel bei einem Hotel, ein ziemlicher ,,Nobelschuppen‘‘, wo wir doch erst sehr gezweifelt haben, da überhaupt etwas tauschen zu können. Wir sind aber dann doch sehr erfolgreich gewesen und haben fast ein ganzes Frühstück für Pralinen und Schokolade bekommen.

Carina lebt seit fünf Monaten fast ohne Geld. Foto: privat
Carina lebt seit fünf Monaten fast ohne Geld. Foto: privat

Carina:  Es ist so schön, es macht mich ziemlich glücklich und mir geht es sehr gut. Ich finde es auch richtig und es macht einiges einfacher, was weniger Probleme bringt. Seit drei Jahren habe ich nichts neues und seit zwei Jahren gar nichts mehr an Kleidung gekauft und bin deshalb auch sehr glücklich, wenn irgendwer mir seine gebrauchten alten Schuhe schenkt. Da ich wenig konsumiere, muss ich mich nicht mehr entscheiden. Mein Essen beziehe ich aus Resten und oder von Geschenken und Tausch. Ich bin froh darüber selbstbestimmend zu leben und Entscheidungen selbst treffen zu können.

Was nehmt ihr aus diesem Workshop mit?

Pia: Ich glaube, dass ich jetzt positiver auf Menschen zugehen werde. Vor allem aber hat mich dieser Workshop motiviert, mehr für meine Träume zu kämpfen. Ich werde konsequenter mit meinem Geld umgehen und vieles weitergeben. Aber ganz ohne Geld kann ich zurzeit auch nicht leben…

Carina: Viel Freude und positive Stimmung. Ich finde es immer wieder sehr schön, die Sachen von Menschen zu benutzen, wenn sie sie nicht mehr brauchen. Außerdem habe ich die Bestätigung bekommen, dass man alles schaffen kann,  wenn man es möchte.

Habt ihr euch dadurch verändert?

Pia: Ich glaube. dass ich das Essen jetzt mehr wertschätze.  Ich freue mich mehr über einfache Dinge, wie z.B. über eine Laugenstange, die ich sonst jeden Tag zu Hause bekomme. Ich habe viele Erfahrungen sammeln können und sehr nette Menschen kennengelernt und bin froh, dass ich diesen Workshop mitgemacht habe.

Carina: Ja, auf jeden Fall. Ich bin viel glücklicher, geduldiger, entspannter und hab viel mehr Vertrauen in (fremde) Menschen. Mir ist bewusst geworden, dass ich schon sehr oft beschenkt wurde. Ich habe einfach diese Freiheit und kann machen was ich will. Ich musste bis jetzt zwar immer lange auf der Straße stehen, um mir mein Essen zu ertauschen, aber bis jetzt schien immer die Sonne. Ich nutze die Zeit jetzt viel intensiver und lebe unabhängiger. Ich merke, dass ich selbst viel geben kann und auch immer sehr glücklich bin, wenn andere mir etwas beibringen oder erklären. Man geht jetzt auch mit offeneren Augen durch die Welt und denkt viel mehr über den Konsum nach. Ich denke, es ist allgemein sehr gut zu wissen, dass man ohne Geld auch sehr gut (über)leben kann.

 

 

 

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