Anders reisen: Urlaub in Andalusien – nachhaltig, aber wie?

Ein kleines Landhaus in der faszinierenden Serranía de Ronda, der Bergkette in Andalusien, die südwestlich bis Gibraltar führt. Acht neugierige Reisende – interessiert am Austausch zu regionalen und ökologischen Alternativen zum konventionellen, Ressourcen verbrauchenden Lebensstil. Zahlreiche interessante nachhaltige Projekte und spannende Gesprächspartner_innen, viel Sonnenschein, Freude am gemeinsamen Kochen und einer entspannten Freizeitgestaltung. Dies waren die Zutaten einer gelungenen Reise in den Süden Spaniens, die wir vom 17. bis 26. Oktober 2014 unternahmen.

Unsere thematischen Schwerpunkte und Hauptinteressen waren die Transition-Town-Bewegung, Wildpflanzen und ihre Nutzung (kulinarisch/medizinisch), die Produktion von Lebensmitteln sowie der Konsum von regionalen Erzeugnissen der Saison. Nicht zuletzt widmeten wir uns auch den Themen Gesundheit und Entschleunigung im Alltag (Massage, Yoga u.v.m.).

Und am Ende der gemeinsamen Zeit stand die Frage: Was verstehen wir eigentlich unter „nachhaltigem Tourismus“?

Wie alles begann..

Eine unbestimmte Liebe zu Andalusien, seiner Landschaft, Luft und Lebensweise und nicht zuletzt zur Offenheit und Herzlichkeit, die sie dort bereits oft erfahren hatten, führten bei Marie und Katharina aus Bonn dazu, dort ein gemeinsames Projekt zu starten. Ihr erklärtes Ziel: Ein klarer Nutzen für die lokale Bevölkerung und das Schaffen einer nachhaltigen Verbindung, innerhalb derer gemeinsam etwas gestaltet werden kann. Katharina hatte bereits vorher als Kontaktperson zwischen der Bonner Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) und einem Hersteller von Olivenöl aus ökologischem Anbau in den Alpujarras bei Granada fungiert. Marie nahm im Sommer 2013 erste Kontakte in der Serranía de Ronda auf, um für 2014 eine nachhaltige Reise mit ökologischem Schwerpunkt zu planen. Beide wollten wir einen Rahmen schaffen, in dem sich Menschen begegnen, austauschen, voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren können.

Und so war es: Vor Ort in Jimera de Líbar..

Jimera de Líbar

Gerade angekommen wurde schnell klar, dass die Reise nicht allein aus den geplanten Besuchen, Exkursionen und Aktivitäten bestehen würde. Stattdessen würde unser Aufenthalt maßgeblich durch viele ungeplante Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, ihrer Hilfsbereitschaft und ihrem Interesse an unserem Projekt bereichert werden. Klar ist uns ohne Zweifel geworden: Je weniger Infrastruktur in Form von beispielsweise öffentlichem Verkehr besteht, desto mehr Kontakt und Austausch ergibt sich zwischen Menschen im Alltag. Für fast alles, was wir während unseres Aufenthaltes benötigten, nahmen wir Kontakt zu Einzelpersonen in der Region auf und machten damit durchweg positive Erfahrungen.

Eli WildkräuterwanderungZu Beginn wurden wir von Ely Lozano Ríos (La Almarcha) in die Nutzung der heimischen Wildkräuter eingeführt, die in der kommenden Zeit unseren Speiseplan bereicherten.

ely wildkräuter

Alle weiteren Einkäufe tätigten wir bei unserem Besuch auf dem „Mercadillo de Coín“. Dieser Markt für lokale Produzent_innen war von der dortigen Transition-Town-Gruppe mit dem Ziel initiiertworden, Hersteller_innen und Konsument_innen direkt miteinander in Kontakt zu bringen.

mercado local coín

Ilde Hernández, Initiator des Marktes in Coín, Foto: Guido Schneider
Ilde Hernández, Initiator des Marktes in Coín, Foto: Guido Schneider

Mit dem Mit-Initiator Ilde Hernández fand ein intensiver und persönlicher Austausch über die Herausforderungen innerhalb von Transition-Town-Gruppen statt. Außerdem teilte er sein Wissen über Nahrungsmittelproduktion mit uns und hörte interessiert unsere Geschichten aus dem Norden. Die perfekte Abrundung des Tages war ein gemeinsamer Ausflug zum Baden an den nahegelegenen Fluss im Barranco Blanco, einer Bergschlucht bei Coín.

mercado local, Coín

Bolonia DüneNeben viel thematischer Auseinandersetzung sollten natürlich auch die Entspannung und das gemeinsame Entdecken der Umgebung nicht zu kurz kommen. So machten wir uns an einem Morgen früh auf bis an die Costa de la Luz, um deren beeindruckenden Dünen und natürlichen Küstenabschnitte zu erkunden.

Costa de la luz

 

 

 

Costa de la luz

 

África EcoaldeaEinen weiteren kompletten Tag verbrachten wir mit einem Besuch bei África Rodriguez Nieves in ihrer Ecoaldea Los Guindales, die an das iberische Netzwerk von Ökodörfern (Red Ibérica de Ecoaldeas, RIE) angeschlossen ist (siehe auch: Global Ecovillages Network, GEN).

Essen Dort wurden wir nicht nur lecker vegetarisch und glutenfrei verköstigt, sondern im Rahmen von zwei Workshops auch in Techniken ayurvedischer Massage und Rezepte von Naturkosmetik-Produkten eingeführt.

 

 

Naturkosmetik Workshop
Naturkosmetik Workshop in der Ecoaldea Los Guindales

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ronda, Foto: Guido Schneider
Ronda, Foto: Guido Schneider

 

Schließlich stand natürlich auch ein Besuch der historischen Stadt Ronda auf der Reiseagenda.

 

 

Die Lage unseres Hauses auf einer Finca reicher Vegetation direkt am Fluss, ermöglichte Entspannung und Baden, ebenso wie Wanderungen in die benachbarten Berge. Dabei konnten wir neben der atemberaubenden Landschaft auch viele Greifvögel beobachten. Klettererfahrene konnten an einem Nachmittag die Felswände in der Nähe besteigen.

Foto: Guido Schneider
Foto: Guido Schneider

 

 

 

 

Als Gruppe unterwegs..

Foto: Guido Schneider
Foto: Guido Schneider

Als kleine Reisegruppe von acht Personen organisierten und versorgten wir uns im Alltag selbst. Täglich wurde lecker gekocht, Aufstriche zubereitet, füreinander gesorgt und Lebensfragen diskutiert. Kaum reichte die kurzweilige Zeit für all das, was uns als Gruppe wichtig war: uns kennenzulernen, thematisch auszutauschen, Workshops selbst zu veranstalten und Neues dazuzulernen. Außerdem wollten wir uns natürlich auch entspannen, lesen, uns persönlich austauschen, gegenseitig inspirieren, und und und … Wie viel Reisezeit wir dafür wohl tatsächlich bräuchten …?

Aber wir sind uns einig: Es war ein spannendes und tolles Experiment, auf diese Art zu reisen!

Essen Finca

Nachhaltiger Tourismus!?

Nachhaltigkeit und ein knapp 3000 Kilometer entferntes Reiseziel – geht das überhaupt? Am letzten Tag waren wir uns einig, dass es uns vor Ort gut gelungen ist, unsere Prinzipien zu leben. „Es hat was angestoßen“, war eine Stimme aus der Gruppe. Im Alltag bewusst und kritisch das eigene Verhalten zu reflektieren – das ist sicher bereits ein Anfang. Und das ist auch auf Reisen wichtig. Die Mehrheit von uns war mit Bus und Bahn angereist und hatte die Länge der Strecke „gespürt“. Trotzdem werden wir die Frage nach der Nachhaltigkeit auch auf die nächste Reise wieder mitnehmen.

Ausblick

Gerne würden wir unser Reisekonzept im kommenden Jahr wieder umsetzen, vielleicht sogar weiterentwickeln. Dafür suchen wir Träger, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Für weitere Informationen können Sie sich gerne bei Katharina Merz oder Marie-Kristin Ahn melden: anders.reisen[at]posteo.de. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!

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